Bevor ich über die Steinbrückeauf den Hof der ehemaligen Mühle gelange, fällt mein Blick auf einen Bauerngarten, der von einem Lattenzaun umgeben ist. Die Beete sind noch kaum bepflanzt. Auf der anderen Seite sattgrüne Wiesen, eine Kneippstelle und gemütliche Sitzgruppen, die zum Verweilen einladen. Der Himmel ist strahlend blau, ein leichter Wind weht – es könnte etwas wärmer sein.

Ich befinde mich auf der Mandlesmühle, einer früheren Getreidemühle mit angegliedertem Sägewerk. Diese liegt idyllisch mitten im Wald in der Nähe von Pleinfeld. Sie ist die Einzige von zwölf Mühlen, die dem größten wasserwirtschaftlichen Projekt des Freistaates Bayern – dem Fränkischen Seenland – weichen mussten, die noch steht. Die Gebäude wurden mit viel Liebe zum Detail restauriert und beherbergen neben der Seemeisterstelle seit 2008 das Infozentrum Seenland. Hinter den beiden großen Türen der Scheune befindet sich das Infozentrum, in dem sich der Besucher über die Entstehung des Fränkischen Seenlandes informieren kann. Die Außenwände der historischen Scheune bestehen aus großen Sandsteinquadern. Der Holzboden quietscht etwas. Ich stehe mitten in dem hohen Raum und blicke auf eine Wand mit 36 einzelnen Teilbildern. Als Gesamtbild ergeben sie das Seenland aus der Vogelperspektive, wie es sich 2005 darstellte. Ich drehe ein Element nach dem anderen um und eine komplett andere Ansicht auf das gleiche Gebiet aus dem Jahr 1972 ist zu sehen. Der Wandel ist enorm. Ich überlege mir, was aus der Region ohne die Seen geworden wäre. Auf riesengroßen Bannern neben der Treppe, die sich über die zwei Stockwerke zur Decke strecken, sind die Ziele der Überleitung „Wasser für Franken“, „Hochwasserschutz“ und „Aufwertung der Region“ formuliert. Zügig will ich die Treppen hochsteigen. Doch dann entdecke ich an jeder Stufe Schlagwörter, die sicher die Ängste und Vorbehalte der Bevölkerung damals zum Ausdruck brachten. Da ist von Überfremdung, steigenden Preisen, Naturzerstörung, Blechlawinen und einem Ende der ländlichen Idylle die Rede. Riesige, halbrunde Schautafeln erwarten mich im Obergeschoss. Der Planungsbereich erläutert den langen Weg von der Idee bis zum Baubeginn. Die multimediale Ausstellung geht noch weiter zurück und spannt den Bogen vom Bau des Karlsgrabens im Jahr 793 bis zum Baubeginn. Informationstafeln, Videovorführungen und viele Touch-Screen-Monitore verfolgen den Weg von der ersten parlamentarischen Intitiative bis zum heutigen computergesteuerten Betrieb der Überleitung und zeigen auch die Neugestaltung der Landschaft auf. Ich nutze die Gelegenheit, mir die ehemalige Mühle anzuschauen, deren Bestand seit 1315 nachgewiesen ist und die als Säg- und Mahlmühle betrieben wurde. Zahlreiche Schätze sind noch erhalten. Idyllisch liegt der Mühlenweiher, auf dem ein Schwan langsam dahingleitet und sich nicht stören lässt. An der Mühle schiebt das Wasser die beiden Mühlräder an. Die Natur zeigt sich mit ihrem satten Grün und den blütenübersäten Bäumen von ihrer besten Seite. Es liegt ein betörender Blütenduft in der Luft. „Ein herrliches Fleckchen Erde!“ Das Infozentrum ist von Mai bis Anfang Oktober täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

WochenZeitung Weißenburg