Entspannt blicke ich aufs Wasser, dessen Oberfläche fast ruhig daliegt. Nur die Enten, die gerade auf der gegenüberliegenden Seite in den Weiher springen, bringen Bewegung hinein. Doch plötzlich spritzt das Wasser hoch, ein silberner Schemen blitzt auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden.

Es ist ein traumhafter Herbsttag. Die Sonne scheint warm vom fast wolkenlosen Himmel und ich entschließe mich zu einem spontanen Spaziergang am Forellenweiher entlang. Mein Auto stelle ich nur wenige Meter entfernt an einem kleinen Parkplatz ab. Gemütlich schlendere ich am Schafweiher vorbei, dessen Oberfläche wie ein Spiegel wirkt: Die Reflexionen der umstehenden Bäume sind glasklar zu erkennen, nur gelegentlich von den leichten Wellenbewegungen unterbrochen. Einige Schritte weiter steht ein kleiner Junge, vermutlich zusammen mit seiner Oma, an einer Metallrinne, die vom Ufer aufs Wasser führt. Er lässt kleine Herbstblätter wie Schiffchen über die Rinne fahren und ist ganz begeistert, wenn sie am Ende vom „Wasserfall“ mitgerissen werden und in den Weiher fallen. Gleich darauf stehe ich vor dem Schild „Naturlehrpfad am Forellenweiher“. Direkt daneben könnte ich mir sogar an einem Automaten Futter für die Fische kaufen. Ein alter Steg führt einige Schritte auf den Weiher hinaus. Mir erscheint er jedoch schon etwas morsch und ich verzichte auf den Versuch. Stattdessen laufe ich rechts herum weiter, am nächsten Schild vorbei und folge dem Weg um den Weiher. Dieser zweigt in einen verwachsenen Pfad ab. Rechts und links von mir stehen hohe Büsche und Bäume, durch die ich den Weiher blitzen sehe. Der Waldboden und eine kleine Holzbrücke, über die ich laufe, sind voll mit Herbstlaub, das jedoch noch feucht vom letzten Regen ist und nicht rascheln will. Der Blick zum Weiher wird wieder offener und ich hocke mich an den Rand, um aufs Wasser zu schauen. Es ist idyllisch hier, was mich so nah an der Stadt doch etwas überrascht. Zwischendurch höre ich das Wasser aufspritzen, doch wenn ich schnell zu der Stelle hinschaue, sehe ich meist nur noch die langsam auslaufenden Wellenkreise auf der Oberfläche. Ich bin jedoch geduldig, genieße die Sonne und kann schließlich doch noch nahe bei mir einige Fische im Wasser entdecken. Am Kneippbecken vorbei spaziere ich kurz Richtung Weide, denn ich habe schon von Weitem die Herde wolliger Schafe gelegentlich blöken hören. Die Tiere sind neugierig, vielleicht aber auch einfach nur auf einige Leckereien aus, denn sie kommen sofort an den Zaun getrabt und starren mich an. Meine Beteuerungen, dass ich nichts dabei habe, ignorieren sie. So wende ich mich schließlich ab – den vorwurfsvollen Blicken ausweichend – und entscheide mich spontan, noch den Weg zum russischen Friedhof hochzulaufen. Auf dem Hang gegenüber der Straße kann ich die Wülzburg durch die teils kahlen, teils orange verfärbten Kronen der Bäume sehen. Ein einsamer Heuballen liegt auf dem Feld neben mir. Der letzte Teil des Wegs zum Friedhof ist wie ein Tunnel zugewachsen. Meisen hüpfen zwischen den Zweigen der Büsche herum, ein Strauch mit weißen „Knallerbsen“ ist auch darunter. Der Friedhof selbst strahlt eine ganz eigene Ruhe aus. Der Stein mit der Platte zur Erinnerung an den Prager Komponisten Erwin Schulhoff ist mit leuchtend grünem Moos bewachsen, die kleinen nummerierten Holzkreuze mit den Namensschildern schauen zwischen dem Laub hervor. Kein Protz, kein Prunk, sondern Schlichtheit, um Platz für die eigenen Gedanken zu lassen. Nach einigen Minuten laufe ich weiter, auf der Allee neben dem Aumühlweiher zurück Richtung Auto. Gelegentlich begegnen mir andere Spaziergänger, doch die meiste Zeit bin ich für mich allein und genieße einfach nur den Spätherbst mit seinen noch immer eindrucksvollen Farben.

WochenZeitung Weißenburg