Der Regen und die graue Wolkendecke haben sich verzogen. Jetzt ist der Himmel blau und die Sonne scheint. Trotzdem weht noch ein starker bis stürmischer Wind über dem Altmühlsee. Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke bis oben zu und beobachte die bunten Drachen, die regelrecht durch die Luft jagen.

Herbstzeit ist Drachenzeit – doch perfekt scheint das Wetter zum Drachensteigen heute wohl nicht zu sein. Mit aller Kraft versuchen Kinder und Eltern, die thermischen Kräfte auszunutzen, doch lange bleiben die bunten Falter nicht in der Luft. Manche Lenkdrachen schießen dagegen wie Raketen vom Himmel und bleiben mit der Spitze in der Wiese stecken. Ich ziehe meinen Kopf ein, denn diese Dinger erreichen hohe Geschwindigkeiten. Nur eine Riesenschildkröte, ein Dinosaurier und eine gelbe Ente, die gemeinsam an einer Schnur hängen, surren über mir durch die Luft und tanzen fröhlich im Wind. Meist hapert es schon beim Start. So mancher muss erst einmal ein beachtliches Stück rennen, bis der Drache dann endlich abhebt und seine ersten Bahnen drehen kann. Andere suchen Schutz an den umliegenden Büschen, um dort ihre Drachen startklar zu machen. „Geil“ ruft ein Kind, ein anderes schreit „cool“. Die Kinder jauchzen vor Freude und springen auf der Wiese wild umher, wenn Papa oder Mama versuchen, die Flugobjekte am Himmel zu halten und manchmal sogar Kapriolen fliegen lassen. Doch oft ist die Zugkraft so hoch, dass die Eltern die Kontrolle über das Flugobjekt verlieren und der Drachen irgendwo am Boden landet. „Jetzt ich“, höre ich einen kleinen Jungen schreien. Kurz darauf hält er die Leinen ganz fest in der Hand und blickt auf den Drachen. Doch aller Anfang ist schwer. Die Schnüre verheddern sich und der Drache will partout nicht in die Luft. Ein Stück zieht er ihn im feuchte Gras hinter sich her. Jetzt sieht der Drachenschwanz nicht mehr bunt und fröhlich aus. Die Kinder werden nicht müde und probieren es immer wieder aufs Neue, die bunten Drachen zum Schweben zu bekommen. Das Farbenspiel und die verschiedenen Formen in der Luft und die Freude der Kleinen und Großen ist schön anzuschauen. Doch der Wind lässt einfach nicht nach. Langsam wird es mir auch zu kalt und ich freue mich zu Hause auf den warmen Kamin und ein heißes Getränk.

WochenZeitung Weißenburg